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Vorwort zum Buch "Yacht-Piraterie, Die neue Gefahr"
Durch einen merkwürdigen Zufall
schreibe ich diese Zeilen an fast derselben Stelle, an der sich
vor einigen Jahren einer der schrecklichsten Überfälle auf eine
Yacht ereignet hat. ‚Aventura III' ankert vor der Insel Barbuda
in der östlichen Karibik, wo vor einigen Jahren Eindringlinge
auf der Yacht ‚Compucentre' vier Menschen ermordet haben. Man
hatte die Täter gefangen genommen und verurteilt. Im Zusammenhang
mit diesem Überfall erhitzten sich die Gemüter der Fahrtensegler.
Obwohl es in diesem Teil der Welt auch früher ab und zu Überfälle
gegeben hatte, war dieses doch der erste mit tödlichem Ausgang.
Die Kernfrage in dieser Debatte lautete, war es ein Piratenfall
oder ein bewaffneter Raub. Genau das ist das Thema von Klaus Hympendahl.
Seine gründliche Recherche analysiert einige der bekanntesten
Überfälle der letzten Jahre und zeichnet ein nicht ganz rosiges
Bild der derzeitigen Segelszene.
Vor noch gar nicht langer Zeit galt die Hauptsorge von Fahrtenseglern
vor Beginn einer großen Reise dem Wetter. Aus diesem Grund führten
die meisten Atlantikreisen oder Weltumseglungen in tropische Zonen,
hierbei mied man die Saison tropischer Stürme. Es gab nur wenige
Gebiete mit Piratentätigkeit (die Sulu-See, die kolumbianische
Küste sowie die berüchtigte Insel Socotra), die man umsegelte.
So weit ich mich erinnere, habe ich niemals von einem Segler gehört,
der aus Sorge um seine persönliche Sicherheit nicht auf große
Fahrt gegangen wäre. Jedenfalls hat sich in den letzten Jahren
hier radikal etwas geändert. Nach einer umfangreichen Untersuchung
unter Fahrtenseglern im Jahr 2001 kann ich feststellen, dass die
Bedrohung der persönlichen Sicherheit heutzutage als das größte
Risiko angesehen wird. Aber: Obwohl es keinen Zweifel gibt, dass
die Situation sich in den letzten Jahren verschlechtert hat, sollte
man doch die Dinge in der richtigen Perspektive zu sehen. So erschreckend
und verwerflich die Vorfälle auch sein mögen, wage ich zu vermuten,
dass es mindestens genau so viele gewalttätige Überfälle und sogar
Morde in bekannten Touristenorten an Land gibt. Und dennoch zieht
kaum jemand ernsthaft in Betracht, nicht nach Los Angeles, Südafrika,
Ägypten oder Moskau zu reisen. Deshalb halte ich für den wertvollsten
Teil des Buches die Schlüsse, die aus den Vorfällen gezogen werden,
die Lektionen, die man von denjenigen lernen kann, die überfallen
wurden.
Man erhält viele Ratschläge über das Verhalten nach dem ‚gesunden
Menschenverstand'. Ich bin froh, sagen zu können, dass viele Überfälle
mit Voraussicht und einer guten Portion Vorsicht hätten vermieden
hätten werden können. Es ist das größte Verdienst dieses exzellenten
Buches, dass es zeigt, wie man die meisten gefährlichen Situationen
vermeiden kann. Und es zeigt auch, dass durch einfache Vorsichtsmassnahmen
Segeln auf den Meeren genau so sicher sein kann, wie das Leben
an Land - wenn nicht sogar sicherer.
Jimmy Cornell
‚Aventura III', Barbuda, 2. Januar 2002
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