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Yacht Piraten - die neue Gefahr
Die Geschichte der Weltumseglung
mit Yachten fängt mit einer Piratengeschichte an. Joshua Slocum,
der erste Weltumsegler, erzählt uns in seinem Buch ‚Sailing Alone
Around the World', wie die Indianer Feuerlands auf seiner ‚Spray'
nachts heimlich auftauchten. Zu seinem Schutz hatte er Reißnägel
auf Deck verteilt, so dass sich die barfüßigen ‚Piraten' die Füße
verletzten und von weiteren Diebeszügen absahen. Das war im Jahr
1895. Es ist höchst erstaunlich, dass in all den Jahren Hunderte
von Büchern über Segelreisen veröffentlicht wurden, in denen kaum
etwas über Piraten stand. Offensichtlich war das kein Thema. Leider
hat sich das in den letzten Jahren dramatisch geändert.
Wie viele Piratenüberfälle?
Die Zahl der Berichte über Yachten,
die von Piraten weltweit überfallen wurden, hat sich dramatisch
zugespitzt. Aber weder in den großen Segelzeitschriften noch in
den Berichten der bekannten Cruising Clubs (SSCA, TO oder OCC)
kann man viel darüber lesen. Es ist eine Art von Tabu-Thema, passt
nicht richtig in das Klischee der heilen Postkartenwelt der Blauwassersegler.
So wie es keine zuverlässigen Zahlen über die Anzahl von Fahrtenseglern
gibt, die über die Meere ziehen, so gibt es auch keine genauen
Zahlen über überfallenen Yachten. Aus meiner Recherche weiß ich,
dass viele Eigner und Crews ein Trauma seit dem Überfall haben
und keine Einzelheiten preisgeben wollen. Andere halten jede Meldung
für zwecklos, weil sie den Behörden der jeweiligen Länder nicht
trauen. Deshalb gibt es beträchtliche Dunkelziffern. Schließlich
gibt es auch jedes Jahr einige Yachten, die spurlos verschwinden
- von denen nie jemand erfahren wird, ob sie im Sturm verschollen
sind oder nach einem Überfall versenkt wurden. Unter diesen Umständen
gehe ich von einer Dunkelziffer von mindestens 100 % aus und schätze
die Zahl auf min. 300 Piratenüberfällen in den letzten zehn Jahren.
Die gefährlichen Gebiete
Vorab: Die Gebiete in denen Berufsschiffe
und Yachten überfallen werden, unterscheiden sich völlig. Hier
geht es ausschließlich um Yacht Piraterie. Hierbei differenziere
ich zwischen traditioneller Piraterie, wie sie seit Hunderten
von Jahren in bestimmten Gebieten betrieben und dort niemals ganz
ausgerottet wurde, sowie Armutspiraterie, wobei es dabei Überschneidungen
geben mag. Zu den Gebieten mit traditioneller Piraterie gehören
die Sulusee (Philippinen), das Chinesische Meer, besonders das
Südchinesische Meer Indonesiens. Das Küstengebiet um das Horn
von Afrika vor Somalia und der Jemen mit dem Golf von Aden, dem
Gebiet um den Südeingang zum Roten Meer, dem Bab el Mandeb.
Die neu hinzugekommene Armutspiraterie hat sich hauptsächlich
in folgenden Ländern entwickelt: Brasilien, Venezuela, Nicaragua,
Guatemala, Honduras, Ekuador.
Wer sind Piraten?
Ein Pirat ist jemand, der auf See
plündert und raubt. Das Lexikon definiert Piraterie wie folgt:
Seeräuber, auf Hoher See von einem privaten Schiff gegen ein anderes
Schiff begangene Gewalttaten, Freiheitsberaubungen oder Plünderungen.
Die an der Piraterie Beteiligten dürfen von jedem Staat auf Hoher
See verfolgt und bestraft werden.
Was bedeutet Hohe See?
Nach der UNCLOS (United Nations Convention on the Law Of the Sea)
beginnt die Hohe See außerhalb der 30 Seemeilenzone. So gesehen
hätten wir es mit wenigen Piratenüberfällen auf Yachten zu tun,
da fast 99 % in Küstennähe oder vor Anker liegend geschehen.
Um jedoch alle Überfälle zu registrieren, egal wo sie passiert
sind, spricht das ICC International Maritime Bureau in seinen
jährlichen Reporten auch von PIRACY AND ARMED ROBBE-RY AGAINST
SHIPS (das schließt Berufsschifffahrt und Yachten ein) - also
von ‚Piraterie und bewaffneten Raubüberfällen auf Schiffe' - und
macht in seinen Berichten keinen Unterschied, wo sich das Schiff
zur Zeit des Überfalls befand: ob am Kai, vor Anker oder auf Hoher
See.
Diesem Vorgehen schließe ich mich an. Denn der Segler, der seine
Reise plant, will die Gefahren in dem Revier kennen, egal ob es
auf Hoher See liegt oder nicht.
Es werden weltweit keine genauen Statistiken über Yachtpiraterie
geführt. Anders als bei der Berufsschifffahrt gibt es keine Organisation,
die hierfür zuständig ist. Durch die massive Zunahme von Piratenüberfällen
in der Handelsmarine hat das IMB (International Maritime Bureau),
Barking, England mit der ICC (International Chamber of Commerce)
in Kuala Lumpur, Malaysia, die Koordination übernommen.
Die Pest der Meere
Nachdem ich mich intensiv mit dem
Thema Piraten beschäftigt habe, möchte ich eindringlich davor
warnen, Piraten als schneidige, romantische Figuren zu glorifizieren,
wie man sie uns in den Piratenfilmen verkauft hat - als Männer
- auch Frauen, die für Gerechtigkeit sorgen. Das Gegenteil ist
der Fall. Piraten sind Menschen, die in der Regel Jagd auf Beute
machen, für die andere Menschen hart und ehrlich gearbeitet haben.
Piraten zögern nicht, zu töten. Sie schlagen ihre Opfer zu Krüppeln,
quälen sie, vergewaltigen Frauen und scheuen auch nicht, auf Kinder
zu schießen. Ihr Interesse ist es, Beute auf Kosten anderer zu
machen. Piraten sind die Feinde aller seegehenden Frauen und Männer.
Ich gehe sogar so weit, sie als ganz besondere Kriminelle einzustufen,
denn sie haben keine Ehre, keinen Kodex, keine Würde und keine
Ideologie. Ein Segler schrieb: ‚Piraterie ist die Pest der Meere.'
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